Interview VRP und CEO

A
B
C
D
E
F
G
H
00:00/00:00

Video-Abschnitt wählen

A Allreal schafft Werte
B Geschäftsjahr 2020
C Corona-Hilfe
D Unternehmensstrategie
E Marktsituation
F Nachhaltigkeit
G Ausblick
H Dividende


Interview lesen

«Allreal schafft Werte» lautet der Firmen-Slogan. Welche Werte hat Allreal im vergangenen Jahr konkret geschaffen?
Ralph-Thomas Honegger: Für das Unternehmen schufen wir Werte durch den gezielten Ausbau des Liegenschaften­portfolios. Für unsere Kunden schufen wir Werte mit einer Vielzahl erfolgreicher Projekte. Und für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was mir besonders wichtig ist, schufen wir Werte durch den Bezug unserer neuen Räumlich­keiten im Glattpark. Die neuen Büros bieten eine moderne Infrastruktur und sind auf einen effizienten Ablauf der Arbeits­prozesse ausgerichtet. Last but not least schufen wir Werte für unsere Aktionärinnen und Aktionäre, die erneut mit einer sehr attraktiven und stabilen Ausschüttung rechnen dürfen.

Das Geschäftsjahr 2020 war vom Ausbruch von COVID-19 geprägt. Allreal hat trotz der damit verbundenen Heraus­forderungen eine gute Leistung erzielt. Sind Sie zufrieden?
Roger Herzog: Den Umständen entsprechend sind wir sehr zufrieden. Wir haben ein operatives Unternehmens­ergebnis von deutlich über CHF 120 Millionen erreicht. Auf der Immobilienseite blieben die Mieteinnahmen im Vergleich zum Vorjahr stabil. Zusätzlich ist es uns gelungen, das Portfolio mit zwei Eigen­entwicklungen und einem Zukauf auszubauen. Auf der General­unternehmer­seite haben wir trotz der widrigen Umstände ein Projekt­volumen erzielt, das ebenfalls auf Vorjahres­niveau ist. Zusammengefasst: Ich bin zufrieden mit dem Geschäftsjahr. Es war für alle ein anspruchsvolles. Mein ganz grosser Dank gilt unseren Mitarbeitenden, die einen tollen Job gemacht haben.

«Wir haben ein operatives Unternehmens­ergebnis von deutlich über CHF 120 Millionen erreicht.»

Roger Herzog

Durch die Pandemie brachen vielen Unternehmen die Umsätze komplett weg oder reduzierten sich dramatisch. Dies hatte auch zur Folge, dass Vermieter mit Forderungen nach Unterstützung im Bereich der Mieten konfrontiert waren. Wie ging Allreal mit dieser Situation um?
Roger Herzog: Es war ein heraus­forderndes Jahr nicht nur für Allreal und unsere Mitarbeitenden, sondern natürlich auch für unsere Kunden. Unser Ziel war, gemeinsam mit unseren Kunden schnelle Lösungen zu erarbeiten. So entschieden wir uns rasch dazu, den Gewerbe­mietenden zwei Drittel der Mieten während des Lockdowns im Frühling 2020 zu erlassen. Die Gesamtkosten von rund CHF 1,5 Millionen trug Allreal. Von Anfang an war uns jedoch klar, dass wir das wollen und müssen, um unseren Kunden zur Seite zu stehen. Zusammen­fassend kann man sagen: Die Situation führte dazu, dass der Druck auf Vermieterseite zu flexiblen, schnellen und kunden­orientierten Lösungen deutlich zunahm. Das kommt uns entgegen, denn es ist ein Vorteil unseres Geschäfts­modells als General­unternehmen mit einem Immobilien­portfolio.

Nach dem starken Einbruch im ersten Halbjahr 2020 erholte sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte deutlich. Dennoch dürfte der Bau- und Immobiliensektor seinen Höhepunkt vorerst überschritten haben. Hat dies Einfluss auf das Geschäftsmodell von Allreal?
Ralph-Thomas Honegger: Wir haben unsere Strategie im vergangenen Jahr mit drei Arbeitsgruppen überprüft. Schwerpunkt­themen waren das Geschäfts­modell, Innovation und Financials. Aufgrund der Ergebnisse und nach intensiver Diskussion ist der Verwaltungsrat überzeugt, dass die Strategie und das Geschäfts­modell stimmig sind und den künftigen Erfolg von Allreal sicher­stellen. Weiterhin haben wir die Kern­kompetenzen im Verwaltungsrat gestärkt und gebündelt. Neben dem Nomination and Compensation Committee sowie dem Risk and Audit Committee bildeten wir mit dem Investment Committee einen dritten Ausschuss. Abschliessend möchte ich betonen, dass ich mit dem gesamten Strategie­prozess sehr zufrieden bin. Das gilt nicht nur für die Zusammenarbeit innerhalb des Verwaltungsrats, sondern vor allem auch für das Zusammenspiel von Verwaltungsrat und Gruppenleitung.

Wie wird Allreal zukünftig am Markt agieren?
Roger Herzog: Wir müssen uns nicht neu erfinden. Als Immobilien­unternehmen mit eigener General­unternehmung decken wir die gesamte Wertschöpfungs­kette einer Immobilie ab. Für uns ist klar: Das Portfolio soll weiter ausgebaut werden. Ich bin überzeugt, dass es hier in Zukunft viele Möglichkeiten für uns gibt. Einerseits akquisitorisch zu wachsen, indem wir ganze Unternehmen oder Portfolios erwerben. Und andererseits indem wir unsere eigenen Entwicklungen weiter dynamisieren, mehr Projekte aus der General­unternehmung ins Portfolio überführen und unseren Wohnanteil so auf dem angestrebten Niveau von mindestens 20 Prozent halten können. Das Ganze abgerundet mit einer General­unternehmung, die den Fokus verstärkt auf Profitabilität und Qualität setzt, ermöglicht es uns, auch in Zukunft gewinnbringend zu agieren. Auch stimmt mich zuversichtlich, dass wir mit der Spezialisierung der General­unternehmung in den Bereichen Gesundheits­wesen und Logistik zwei attraktive Nischen gefunden haben, die das ermöglichen.

«Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass die Strategie und das Geschäfts­modell stimmig sind und den künftigen Erfolg von Allreal sicher­stellen.»

Ralph-Thomas Honegger

Im Hochbau sind die Volumen zwar weiterhin hoch, gleichzeitig bleiben die Margen aber unter Druck. Wo sehen Sie Möglichkeiten in diesem hartumkämpften Umfeld, um weiterhin erfolgreich zu sein?
Ralph-Thomas Honegger: Diesen Heraus­forderungen begegnen wir mit Spezialisierung, mit regionaler Schwerpunkt­setzung und mit dem Besetzen attraktiver Nischen. Darüber hinaus sehen wir Chancen in der technologischen Innovation, bei neuen Materialien und bei kooperativen Verfahren und Methoden, insbesondere BIM. Nicht zuletzt aber auch im Bereich der Nachhaltigkeit.

Wie schätzen Sie die Marktsituation insgesamt ein?
Roger Herzog: Schweizer Immobilien bleiben angesichts der tiefen Zinsen und des Anlage­notstands unverändert attraktiv. Auf der Vermieterseite sehen wir Heraus­forderungen in Bezug auf Ausstände oder Mietdruck aufgrund von Corona und Homeoffice. Das wird den Markt verändern. Dies bietet aber gleichzeitig Chancen für Vermieter, die flexible und kurzfristig umsetzbare Lösungen anbieten. Was Allreal schon seit jeher tut, wird sich vermehrt im Markt durchsetzen. Gesamthaft betrachtet bedarf es der Finanzkraft – und die hat Allreal. Das beste Beispiel ist unser jüngster Zukauf, ein tolles Büro- und Gewerbehaus in Wetzikon.

Sie haben es bereits angesprochen: Ein wichtiges Thema ist die Nachhaltigkeit. Wo steht Allreal in diesem Bereich?
Ralph-Thomas Honegger: Im Rahmen der Strategieüberprüfung hat der Verwaltungsrat die Gruppenleitung beauftragt, eine Nachhaltigkeits­strategie auszuarbeiten. Die Strategie soll klare Ziele bezüglich Umwelt, Gesellschaft und Geschäfts­führung beinhalten. Wir werden bereits in diesem Jahr über die Nachhaltigkeits­strategie informieren. Die Vision ist aber heute schon klar: Wir wollen einen Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität leisten und die entsprechenden Massnahmen proaktiv einleiten.

Wie beurteilen Sie die Aussichten für Allreal für das Geschäftsjahr 2021?
Roger Herzog: Die Aussichten sind intakt. Wir haben ein sehr stabiles Immobilienportfolio. Wir sind eine General­unternehmung mit vollen Auftragsbüchern. Das stimmt mich durchaus zuversichtlich. Aber: Die Corona-Pandemie wird uns auch in den kommenden Monaten stark beschäftigen. Ein Ausblick ist deshalb sehr schwierig zum jetzigen Zeitpunkt.

Werden auch die Aktionärinnen und Aktionäre vom guten Ergebnis im Geschäftsjahr 2020 profitieren?
Ralph-Thomas Honegger: Ja. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung wiederum eine Dividende von CHF 6.75. Strategie­konform verfolgen wir damit unser Ziel einer stetigen attraktiven Ausschüttungspolitik.